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Willy’s Rennbericht: VLN 2 / 2016 – Aprilwetter auf der Nordschleife

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Ampel auf grün – und alle wollen als Erste in der Spitzkehre ankommen

Liebe Freunde und Motorsport-Interessierte

Am 30. April 2016 standen wir zum 2. Lauf zur VLN Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring-Nordschleife wieder am Start.

Ich hoffe, Euch auch mit diesem Rennbericht meine Freude an diesen Rennwochenenden mit den dröhnenden Motoren vermitteln zu können. Obwohl ich jeweils körperlich und mental schon sehr stark gefordert werde, möchte ich sie nicht missen – sie halten mich jung!

VLN 2 / 2016:

Nach dem eher harzigen Auftakt bei VLN 1 vereinbarten wir im Team,dass wir den ganzen Freitag vor VLN 2 zu weiteren Fahrwerkseinstellungen und Testfahrten nutzen wollten, um das Fahrzeug technisch und fahrerisch immer besser in den Griff zu bekommen.

Die Wettervorhersage prognostizierte für Freitag noch trockene Bedingungen und am Renntag dann 80% Regenwahrscheinlichkeit mit teilweise Starkregen. Also erste Regentests während des Rennens. Das liess Alex und mich aber eher kalt, da wir uns beide schon mit dem Astra OPC Cup im Regen immer sehr wohl gefühlt haben. Einzig konnte der Start da etwas heikel werden aufgrund eingeschränkten Sichtverhältnissen und allfälligen Verbremsern in der ersten Kurve. Bauchweh machen uns jeweils viel mehr Mischbedingungen.

Also starteten Thomas Lampert (Toyota GT86 Cup; Startnummer 535) und ich am Donnerstag-Mittag wieder gemeinsam Richtung Nordschleife, selbstverständlich bei wunderbarem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen.

Freitagstraining

Am Freitagmorgen um 7:45 Uhr standen wir im Fahrerlager mit dem Ziel, pünktlich um 9:00 mit den Testfahrten zu beginnen. Diesmal hatte aber Porsche etwas dagegen, hatten sie doch für das bevorstehende Rennen einige wesentliche technische Änderungen an den Cup-Cayman’s vorgesehen, welche sinnvollerweise vor den Testfahrten vorzunehmen waren, um aussagekräftige Testergebnisse herauszufahren. Die hauptsächlichen Änderungen stellten der verlängerte Gurney auf dem Heckflügel dar, der für mehr Abtrieb auf der Hinterachse sorgen sollte, sowie die stark modifizierten Dämpfer und Federbeine für die Hinterachse, welche für ein deutlich besseres Fahrverhalten im Grenzbereich sorgen sollten.

Am Freitag wurde umgebaut und wieder getestet und wieder umgebaut und wieder getestet und ...
Am Freitag wurde umgebaut und wieder getestet und wieder umgebaut und wieder getestet und …

Auch an diesem Testtag sorgten leider wieder viele Unfälle für lange Rot-Phasen auf der Nordschleife, so dass wir uns entschlossen, auch noch zusätzlich das freie Training von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr für unsere Testfahrten zu nutzen.

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Rennfahren hält jung und lässt einen zufrieden aussehen… – meistens jedenfalls

Nach einem langen Testtag waren wir aber insgesamt mit den erarbeiteten Fahrwerk-Setups sehr zufrieden und hofften auf einen guten Renntag.

Race-Day

Wie vorhergesagt war dann Samstag um 6:30 Uhr das Schmuddel-Wetter auch am Nürburgring eingetroffen. Kalt und feucht. Der April findet halt auch an der Nordschleife statt.

Wir konzentrierten uns auf unsere Taktik: Bei Beginn des Qualifying sofort auf Regenreifen unsere Pflichtrunden absolvieren, so dass beide Fahrer für das Rennen qualifiziert waren und eine gute Runde im Regen auf unserem Konto hatten, falls das Wetter sich nicht mehr bessern sollte. Dieser Entscheid erwies sich dann auch als richtig, da die Strecke bei diesen schwierigen Verhältnissen schon bald wieder mit Gelb-Phasen (Überholverbot) und Code-60 (Überholverbot und max. 60 km/h) aufgrund vieler Unfällen stark behindert war.

Gegen Ende des Qualifying trocknete die Strecke noch ab, so dass wir doch noch mit Slicks auf die Strecke konnten. Schlussendlich standen wir wiederum auf P3 im Cayman-Trophy-Starterfeld; eine sehr gute Leistung für uns.

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In der Startaufstellung – P3 – Puls leicht erhöht, aber bereit!

Kurz nach Beendigung des Qualifying öffnete der Himmel seine Schleusen wieder richtig, so dass keine weiteren Fragen offen blieben- Wet Race!

Bezüglich Startfahrer hatten wir uns schon im Vorfeld festgelegt. Da Alex und ich dieses Rennen wieder zu Zweit absolvierten und ich zwei von drei Stints fahren sollte, dabei aber wenn immer möglich auf Doppelstints von 160 Minuten verzichten wollte, fiel mir die Ehre zu, mit der Meute auf die Jagd zu gehen. Fliegender Start: das ist Adrenalin pur, das sind die Momente wo Dein ganzer Körper und Geist wirklich hellwach sind und du den Jäger in Dir spürst!

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Die erste Kurve nach der langen Startgeraden ohne Lackaustausch geschafft – im Rennen angekommen

Bereits in der Formation Lap hatte ich regen Funkverkehr mit Thomas Koch in der Box, da ca. 50% der Strecke schon komplett trocken war. Über die ganze Strecke gesehen für Slicks noch zu nass aber für Regenreifen zu trocken – das sind die gefürchteten Streckenverhältnisse auf der Nordschleife.

Wir beschlossen die erste Rennrunde noch mit Regenreifen zu fahren und uns dann wieder über Funk zu beraten.

Als der Start freigegeben wurde jagte die ganze Meute die nasse Zielgerade runter auf die erste Spitzkehre zu – wenn du die überstehst bist du schon fast im Rennen. Alles ging gut! Einen Platz musste ich hergeben, aber damit konnte ich leben. Nach der zweiten Runde dann der erste Reifenwechsel auf Slicks, gleichzeitig wieder nachtanken und wieder raus auf die nun fast trockene Nordschleife.

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Auf der Strecke wird gekämpft

Sechs Runden trockene Nordschleife aber dann wurde es wieder feuchter und feuchter und feuchter. Und tatsächlich: Es erwischte mich noch in meiner letzten Runde vor dem Boxenstopp beim Anbremsen in der Klostertalkurve. Rechtsknick vor Klostertal (ca. 185 km/h) – voll Anbremsen – sofort merkte ich, dass die Verzögerung nicht voll einsetzte – ich war auf einen zu nassen Patch gekommen und wusste sofort: das reicht nicht mehr. Soweit wie möglich noch verzögern und versuchen das Auto seitwärts in die Planke zu kriegen. Rummms – da stand ich in der Planke – ich hatte das Auto weggeworfen! Sch….!

Ich kriegte den Motor wieder an, die Temperaturen von Wasser und Oel schienen soweit ok, die Räder waren noch am Cayman dran, das Lenkrad stand aber ziemlich schief. In Absprache mit der Box versuchte ich das Auto an die Box zu bringen, um dann dort zu entscheiden. Mit stotterndem Motor und verbogener Spur konnte ich den Cayman noch in die Box retten – wo sich zum Glück herausstellte, dass alles provisorisch reparabel war.

Trotzdem behielt ich den Helm auf und verschwand für einige Minuten im Oberdeck des Kappeler-Renntrucks – mittlerweilen weiss ich, wann ich besser mit mir alleine bin!

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Anfahrt in der Boxengasse – Höchstgeschwindigkeit 60 km/h – immer gut für eine unnötige Strafe
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Präzis vor Box 16 anhalten – unter Anweisung über Funk
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Die ganze Boxencrew arbeitet gleichzeitig am Auto (Lufthebeanlage -Tanken – Räderwechsel)
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Und so schnell wie möglich wieder raus aus der Box – auch die Boxenstopps sind mitentscheidend

Die Boxencrew stellte die Spur wieder neu ein und führte mit der Elektronik-Crew von Porsche einen System-Restart durch – die Nr. 959 konnte nach ca. 40 Minuten wieder ins Rennen zurück. Ankommen und mögliche Punkte für die Meisterschaft mitnehmen war die neue Devise, welche Alex ab sofort verfolgte.

Auch in der Eifel kennt man April-Wetter und so kam Alex insgesamt dreimal zum Reifenwechsel wieder in die Box. Das war vom Zeitverlust her kein Problem, hatten doch die anderen Cayman’s genau die gleichen Reifentypen und somit auch die selben Probleme mit dem Wetter.

Vier Runden vor Schluss übernahm ich nochmals das Steuer und konnte zwei schnelle Runden auf Slicks im Trockenen fahren. Dann ging es wieder los: die Strecke wurde feuchter und feuchter und es regnete immer stärker – und immer mehr Autos konnten sich nicht mehr auf der Strecke halten und flogen mehr oder weniger heftig ab.

Ich war ja schon ein gebranntes Kind vom 1. Stint und wirklich um vordere Plätze kämpften wir auch nicht mehr – also nahm ich einiges an Speed raus um noch heil die Zielflagge zu sehen – und sah dabei noch einige Konkurrenten bei der Kaltverformung ihrer Autos aus nächster Nähe zu.

Fazit

Wir brachten unseren gelben Burkhalter-Generali-Cayman Nr. 959 so schliesslich auf P9 ins Ziel. Einige Caymane waren durch Unfall ausgeschieden. Es hatte sich also gelohnt nicht aufzugeben und zu versuchen den Wagen ins Ziel zu bringen.

Unsere Boxencrew mit Thomas, Emmes, Torsten und Nils hatte bei diesem Rennen einen grossen Anteil daran, dass wir es überhaupt ins Ziel geschafft haben. Nebst den vielen Reifenwechseln haben sie das Auto nach meinem Ausrutscher auch in Rekordzeit wieder fahrtüchtig gemacht – Vielen Dank an Euch Jungs!

Nun hatten wir schon zum zweiten Mal Schadensbegrenzung betrieben aber dadurch, dass wir beide Male ins Ziel gefahren sind, liegen wir nach dem 2. Lauf zur VLN auf Rang 6 in der Zwischenwertung der Cayman Trophy.

Der alte Spruch im Motorsport hat sich wieder einmal bewahrheitet: „To finish First – you have to finish first!“

Ausblick

Schon in zwei Wochen, am 14. Mai 2016, starten wir zum 3. Lauf der VLN Langstrecken-Meisterschaft auf der Nürburgring-Nordschleife.

Die Hoffnung wächst in uns, dass wir wie im Opel Astra OPC Cup auch mit dem Burkhalter-Generali-Cayman GT4 CS das Feld von hinten aufrollen können. Fleissig wie die  Eichhörnchen Punkte sammeln und wenn sich die Gelegenheit ergibt mal ganz nach vorne stossen.

Jeder Einzelne von uns wird alles geben und als Team werden wir das nehmen was es gibt! Nur als Team werden wir Erfolg haben!

Die künftigen Rennberichte werden immer ca. 4 Tage nach dem Rennen abrufbar sein auf:  http://www.kappelermotorsport.wordpress.com

Natürlich freue ich mich nach wie vor über jedes Feedback von Eurer Seite. Ihr könnt mir dieses gleich auf der Website als Kommentar hinterlassen oder natürlich über E-Mail.

Herzliche Grüsse

Willy

2 Kommentare zu „Willy’s Rennbericht: VLN 2 / 2016 – Aprilwetter auf der Nordschleife Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Willy
    Freue mich jedes mal über dein Rennbericht.
    Das mit dem Jung erhalten Stimmt schon, hoffe das du dieses Gefühl noch lange hast.
    Und eines kann ich Dir versichern. Falls dieses vom Jung sein nicht mehr da ist, kommt schon bald das Gefühl dass man mit Oldtimern zu Frieden ist. Mir geht es ja auch so,

    Rolf

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  2. Hallo Willy,

    klasse Bericht, turbulentes Rennen. Nordschleife im April eben. Prima, dass ihr mit großer Teamarbeit doch noch solide gepunktet habt. Die Saison ist lang und ich bin sicher, das erste Cayman-Podium kommt bald.
    Ich freue mich schon darauf, bei VLN 3 mit euch an den Start zu gehen, dieses Mal in der Klasse V4, brauche also noch mehr Windschatten von dir 😉

    Uwe

    Liken

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