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Willy’s Rennbericht: VLN 1 / 2016 – Die Katze lässt das Mausen nicht…

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Viel zu schön und zu aufregend um Aufzuhören – wir machen 2016 weiter – ausser einem neuen Auto hat sich nichts verändert

Liebe Freunde und Motorsport-Interessierte

VLN 2016: Wie es dazu kam…

Am Saisonende 2015 war ich tatsächlich etwas rennmüde. Die lange Saison mit den Doppelstints hatte ihre Spuren hinterlassen. Unser Team durfte mit den zwei Siegen grosse Momente erleben, aber hatte mit dem fatalen Crash in Lauf 8 auch einen bitteren Tiefpunkt zu überwinden. So war ich nach Abschluss der Saison dem Rücktritt vom Rennsport wesentlich näher als einer Fortsetzung und hatte das auch meinen Jungs im Team so kommuniziert.

Im Verlaufe des Novembers 2015 wurde dann von Porsche bekanntgegeben, dass sie auf Basis des Porsche Cayman GT4 den ersten Mittelmotor-Rennwagen entwickelt hatten von dem weltweit 300 Stück gebaut werden sollten: den Porsche Cayman GT4 CS.

Zusätzlich wurde bekannt, dass Porsche im Rahmen der VLN 2016 eine eigene Cupwertung durchführen werde: die Cayman GT4 Trophy. Zu diesem Zweck wurden 25 Cayman GT4 CS als Langstrecken-Cup-Fahrzeuge aufgebaut. Plombierter Motor, plombiertes Getriebe, plombierte Elektronik, vorgegebene Reifen und Bremsen – eigentlich identisch zum Opel Astra OPC Cup,die einzigen Unterschiede liegen im Bereich der Leistungsfähigkeit und der Vitesse.

Heckantrieb / Mittelmotor / 3.8 Liter Sauger / 385 PS / 1300 kg: Das war zu verlockend – der Motorsport-Gaul ging schon nach wenigen Wochen Pause wieder mit mir durch! Nach Rücksprache und mit dem Einverständnis von Ursi bewarb ich mich bei Porsche und tatsächlich – durch unsere erzielten Resultate im Astra OPC Cup wurden wir von Porsche für gut genug befunden, ein solches Fahrzeug zu erhalten!

Hatten meine Leute nach meinem Unfall nicht mehr daran geglaubt, dass ich jemals wieder an den Start gehen würde – wurden sie doch eines Besseren belehrt! Diesmal hatte ich das Gefühl, dass sie geahnt haben wie es rauskommt. Alle waren natürlich sofort wieder dabei. Alex mit mir zusammen im Auto sowie Thomas und Emmes mit Torsten und Nils als Boxencrew.

Und so stehen wir auch bei der VLN 2016 wieder voller Tatendrang am Start!

VLN 1 / 2016: Harziger Start in die Cayman GT4 Trophy

Nachdem die beiden Testtage Mitte März wegen widrigsten Wetterbedingungen zu keinen gezeiteten Runden geführt hatten, wollten wir am Freitag vor dem 1. Lauf den ganzen Tag dazu nutzen, um uns fahrerisch und technisch auf den Cayman einzuschiessen – wollten!

Am Donnerstag-Mittag bei der Abfahrt in Pfäffikon SZ herrschte Sonnenschein bei 22 Grad Celsius – bei der Ankunft an der Nordschleife am Abend Schneefall bei 0 Grad Celsius. Es war zum Mäusemelken.

So kam es dann, dass die Strecke erst am späteren Freitagnachmittag für ca. 10 Minuten freigegeben wurde. Nur so lange dauerte es, bis sich ausgangs Fuchsröhre ein Teilnehmer über die Leitplanken tief in den Wald verabschiedete und das freie Training auch für alle anderen Teams beendete.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch keinen Meter auf dem Tacho und das 1. Rennen stand schon am nächsten Tag vor der Tür – grenzwertige Aussichten!

Race-Day

Nach einem kurzen zeitlichen Aufschub wegen Morgennebels konnte am Samstag-Morgen das Qualifikationstraining bei trockenen Bedingungen in Angriff genommen werden. Für den weiteren Tagesverlauf wurde sogar Sonnenschein prognostiziert, was man auch eindeutig am grossen Zuschaueraufmarsch erkennen konnte.

Mit Patrick Assenheimer hatten wir bei diesem Lauf noch einen dritten Fahrer mit an Bord. Patrick ist ein junger, aufstrebender Rennfahrer, welcher uns in dieser Saison bei einigen Läufen unterstützen wird. Als motorsportliches Hauptengagement fährt er 2016 die ADAC-GT-Masters auf einer Callaway-Corvette.

Sogar während der Qualifikation wurde der Cayman nach jedem Fahrerwechsel wieder in die Box geschoben und am Setup optimiert. So fuhren wir während der Quali lange auf P8/9 herum, um dann letztendlich eher überraschend noch auf P3 vorzufahren.

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Diskussionen über das Handling und die Abstimmung zwischen Alex und mir

Unter Berücksichtigung der mangelnden Trainings- und Abstimmungszeit im Vorfeld der neuen Saison, hatten wir uns für den 1. Lauf zur VLN zum Ziel gesetzt, dass wir als erste Priorität möglichst viele Rennkilometer fahren und möglichst die Zielflagge sehen wollten. Die Platzierung erachteten wir diesmal als sekundär.

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Beim ersten Rennen mit dem Cayman stehen wir aufP3 in der Startaufstellung
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Lachende Gesichter trotz Wissen um (noch) vorhandene Defizite – wir freuen uns trotzdem auf die Saison und die bevorstehenden Rennen!

Aufgrund der Tatsache, dass alle drei Fahrer sehr wenig Erfahrung mit dem Auto hatten, sollte Alex als erfahrenster Treiber den ersten Stint mit dem fliegenden Start fahren, um so das Risiko eines Startunfalles für unser Team zu minimieren. Wir rechneten bei der Startfreigabe zum 1. Lauf der VLN 2016 mit teilweise etwas übermotivierten Konkurrenten und wollten unnötigen Kaltverformungen durch Kollisionen nach Möglichkeit aus dem Weg gehen.

Alex ging den fliegenden Start dann auch sehr besonnen an und liess einige Heisssporne passieren, die im Normalmodus niemals an ihm vorbeigekommen wären. So nistete er sich auf dem 6. Platz ein und drehte seine Runden ohne grössere Zwischenfälle.

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Wo man hinsieht – überall bissige Caymane

Dann war ich an der Reihe und wollte es Alex gleichtun: Ruhig fahren und Erfahrungen mit dem Auto im Grenzbereich sammeln. Wollte! Nach 3-4 Runden wurde das Auto immer bockiger und ich hatte einige Mühe den Cayman unter Kontrolle zu halten – so funkte ich mehrfach die Box an, dass ich wahrscheinlich viel zu hohen Luftdruck in den Reifen hätte – und war schliesslich froh als der Stint ohne Schaden zu Ende gefahren war. Schnell stellte sich dann in der Box heraus, dass ich rundenlang mit einem schleichenden Plattfuss hinten rechts unterwegs war.

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Einfahrt in das legendäre Caracciola-Karussell

Für den letzten Stint übernahm Patrick das Cockpit. Auch er fuhr in Ruhe seinen Stiefel herunter und brachte den Burkhalter-Generali-Cayman schliesslich auf P6 über die Ziellinie.

26 Runden Erfahrungen gesammelt, ins Ziel gekommen und ein paar Punkte für die Cayman Trophy mitgenommen – Rennziel erreicht!

Trotzdem waren alle drei Fahrer nach dem Rennen nicht so richtig glücklich (Rennfahrer!), aber mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet, haben wir uns doch achtbar geschlagen, wenn wir mitberücksichtigen, dass wir mit einem veritablen Kaltstart ins erste Rennen gegangen sind.

Ausblick

– Wir werden es schwer haben in der Cayman GT4 Trophy, das war uns von Anfang an klar. Alle namhaften Porsche-Teams sind in dieser Klasse am Start – alle mit dem klaren Anspruch die Trophy für sich zu entscheiden und damit für das eigene Team Werbung zu machen. Entsprechend haben die Teams die Fahrzeuge auch mit bestem Fahrer-Material bestückt.

– Wir werden es schwer haben in der Cayman GT4 Trophy, weil wir einen Rennwagen fahren, der konzeptionell kaum unterschiedlicher als der Astra OPC Cup sein könnte. Mittelmotor/Heckantrieb/Saugmotor beim Cayman gegen Frontmotor/ Frontantrieb/Turbomotor beim Astra OPC Cup. Wir werden unseren Fahrstil diesem Auto möglichst schnell anpassen müssen.

In unserem Team ist aber jeder Einzelne bis in die Haarspitzen motiviert, diese Herausforderung anzunehmen und dafür das Bestmögliche zu geben.

Auch in diesem Jahr gilt für unser Team wieder die bekannte Losung: Wir wollen mit Ehrgeiz zu Werke gehen aber auch Spass an der Rennerei haben – Jeder Einzelne wird alles geben was er kann und das Team wird nehmen was dabei herausspringt!

 

Rennbericht künftig abrufbar unter http://www.kappelermotorsport.wordpress.com

Eigentlich wollte ich 2016 keine Rennberichte mehr verfassen. Ich konnte bisweilen selbst nicht mehr fassen, was ich in den beiden Jahren 2014 und 2015 an der Nürburgring-Nordschleife alles erlebt habe.

Während der Winterpause wurde ich aber vielfach auf die Rennberichte angesprochen und merkte, dass viele von Euch schon fest darauf zählen und bei deren Ausbleiben sichtlich enttäuscht wären.

Natürlich freut es mich sehr, wenn es mir mit meinen Berichten gelingt, Euch an den Rennwochenenden an der Nürburgring-Nordschleife teilhaben zu lassen. Ich werde deshalb gerne weiterhin Rennberichte aus meiner ganz persönlichen Rennfahrersicht verfassen und hoffe, dass ich Euch damit das Dröhnen der Rennmotoren und die Stimmung in den Boxen und im Team vermitteln kann.

Anstelle der Zustellung via E-Mail werden die Berichte 4-5 Tage nach dem Rennen neu auf der Team-Website von   https://kappelermotorsport.wordpress.com   für Euch abrufbar sein.

Natürlich freue ich mich nach wie vor über jedes Feedback von Eurer Seite. Ihr könnt mir dieses gleich auf der Website als Kommentar hinterlassen.

 

Herzliche Grüsse

Willy

6 Kommentare zu „Willy’s Rennbericht: VLN 1 / 2016 – Die Katze lässt das Mausen nicht… Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Willy,

    zum Glück hast du dich richtig entschieden, weiter bei der VLN zu starten und uns anschließend mit deinen kurzweiligen Rennberichten teilhaben zu lassen. Bei VLN 3 brauche ich deinen Windschatten.

    Liebe Grüße

    Uwe

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  2. Hallo Willy
    Bin froh, dass dich das Rennvirus wieder gepackt hat, habe aber auch nichts anderes erwartet, ¨dä Willy isch halt dä Willy!. War doch wirklich ein gelungener Start, bin auf die weiteren Rennen und die Berichte gespannt. Gib Gas aber gib dir au ächli Sorg.
    Liebe Grüsse
    Reto

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  3. Hallo Willy,
    Gratuliere, super Start in die neue Saison mit dem neuen Auto, sieht übrigens cooolio aus.
    Bin gespannt auf die nächsten Berichte.
    Also weiterhin viel Erfolg!!

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  4. Hallo Willy

    Tolle Leistung in ersten Rennen mit dem neuen Auto !

    Ps. zum Glück hast du dich entschieden weiterhin deine tollen Rennberichte zu schreiben !
    So habe ich das gefühl mittendrin zusein.

    Gruss Pädu

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